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THE STORY


» Name
Yves Jeremiah Leyton

In der Familie Leyton gab es im letzten Jahrhundert ungefähr sieben Männer, die den Namen Jeremiah trugen – ob jetzt als Erst- oder Zweitname spielt dabei keine Rolle. Der Name ist somit zur Tradition geworden und von Yves wird erwartet, dass auch er diese Tradition bei ihren Kindern weiter führen wird. Seinen ersten Namen verdankt Yves einer weltbekannten Kosmetiklinie, für die seine Mutter während der Schwangerschaft wohl ein gewisses Faible gehabt hatte.

» Spitzname
In den vergangenen sechsundzwanzig Jahren hat sich kein Spitzname für Yves durchsetzen können – allerdings ist sein Name wohl auch kurz genug, sodass er keine Abkürzung braucht. Seine Mutter war die einzige, die Gebrauch von seinem Zweitnamen gemacht hat und das bevorzugt in Situationen, in denen sie mit ihm geschimpft hat.

» Alter
Sechsundzwanzig Jahre alt || geboren am 17. Oktober 1981
» Beruf
Koch im River Café

Es stand nie zur Debatte, das Yves einmal einen anderen Job anstreben würde. Er ist mit Kochlöffeln und Pfannen groß geworden, bereits mit zwölf Jahren konnte er besser kochen als seine eigene Mutter. Mit zwanzig kam er in das Restaurant River Café in Las Vegas, wo er erst seine Ausbildung fortführte und später als Koch arbeitete. Vor ungefähr einem halben Jahr bot man ihm den Posten als Chefkoch an, welchen Yves ohne zu Zögern annahm. Viele Menschen unterschätzen diesen Job und glauben, er wäre so etwas wie ein Hobby. Nicht unbedingt mit Anstrengung verbunden, dafür aber mit einer Menge Spaß. Zwar stimmt es, das Yves sein Hobby zum Beruf gemacht hat und das er auch heute noch Spaß an seiner Tätigkeit hat, aber als leicht lässt sich dieser Beruf wirklich nicht einstufen. Manchmal muss Yves nächtelang aufbleiben, um das Essen für den nächsten Tag vorzubereiten, manchmal ist in der Küche Hektik pur, wenn sich größere Gruppen in dem Restaurant angemeldet haben oder wenn die Angestellten nicht so arbeiten, wie Yves es sich wünscht. Jedoch haben auch diese Faktoren ihn nie an seiner Entscheidung, Koch zu werden, zweifeln lassen.

» Gesellschaftsschicht
Yves lässt sich ohne großes Überlegen der Mittelschicht zuordnen. Durch seinen Job verdient er genug, um sich ein kleines Appartement in Las Vegas zu leisten und um es sich gut gehen zu lassen. Er ist stolz darauf, unabhängig von irgendjemandem leben zu können und würde dies auch für nichts in der Welt eintauschen.
» Behausung
Yves teilt sich mit seiner Stiefschwester ein Appartement in Las Vegas. Er kaufte es sich kurz nach seinem Umzug nach Las Vegas, eigentlich mit der Absicht, alleine dort zu wohnen – was er zu Beginn auch tat. Bis eines Tages plötzlich Camille vor ihm auftauchte und ihm offenbarte, das sie liebend gerne bei ihm einziehen würde. So kam Yves an einem Tag zu einer Schwester und einer Mitbewohnerin.
Das Appartement verfügt über zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Badezimmer. Es liegt mitten in der Stadt, somit sehr zentral und zu Fuß nur fünf Minuten vom River Café entfernt.


» Familie & Gute Freunde
Robert Leyton || 52 Jahre alt || Besitzer des Restaurants Momo
Niemand rechnete wohl mit so einer abrupten Antipathie dieser beiden. Eigentlich hatten Yves und sein Vater immer ein harmonisches Verhältnis, sie verstanden sich gut und besonders nach dem Tod von Amelié wurden sie irgendwann enger aneinander geschweißt. Und dann kam der große Streit. Alles begann damit, dass Yves eine Ausbildung zum Koch in dem Restaurant seines Vaters begann und er schon bald als ein größeres Talent bezeichnet wurde. Anscheinend kam Robert Leyton nicht damit klar, dass sein Sohn in seinem ersten Ausbildungsjahr begabter war, als er selbst. Sie begannen sich immer öfter zu streiten, Yves unternahm Dinge, um seinen Vater zu provozieren und irgendwann eskalierte alles. Yves schmiss die Ausbildung im Momo hin und verließ die Stadt. Damit brach auch der Kontakt zwischen Vater und Sohn ab. Nach dem Vorfall sprachen sie noch exakt drei Mal miteinander, das letzte Mal ist mittlerweile schon über ein Jahr her. Yves hat nicht vor, zum Telefon zu greifen, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Er wartet darauf, dass sein Vater den ersten Schritt macht, denn seiner Meinung nach ist er es, der sich entschuldigen muss. Sein Vater denkt wahrscheinlich genau dasselbe von ihm und so sind beide zu Stolz, um über ihren Schatten zu springen und diesen Streit zu begraben.

Amelié Leyton || geborene Levine || gestorben im Alter von 37 Jahren
Vor zwei Wochen ist Yves die erschreckende Erkenntnis gekommen, dass er mittlerweile fast genauso viele Jahre ohne seine Mutter verbracht hat, wie mit ihr. Er war dreizehn, als seine Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam und heute kann er sich nicht einmal mehr daran erinnern, wie ihre Stimme klang. Ihm fällt es immer schwerer, eine klare Erinnerung an sie zu haben und das ist es, was ihn am meisten erschüttert. Anfangs wuchs Yves als typisches Einzelkind auf. Ihm wurden jegliche Wünsche gewährt, er lebte glücklich und zufrieden in einem weißen Haus, mit elektrischen Rollläden und einem gepflegten Vorgarten. Jegliche Idylle wurde an einem Tag zerstört und Yves’ Leben vollführte eine hundertachtzig Grad Wendung. In den Wochen danach war nichts mehr, wie es gewesen war und er glaubte, dass es auch nie wieder so sein würde.

Camille Ayres || 24 Jahre alt || Kellnerin
Oder auch: Das einzige Familiemitglied, zu dem Yves noch richtigen Kontakt hat und dabei weiß er erst seit anderthalb Jahren von ihr. Ebenso wenig, wie er bis dato gewusst hatte, das sein Vater erneut geheiratet und das seine neue Frau eine Tochter mit in die Ehe gebracht hatte. Diese Tochter war eben Camille – genau die Frau, die ein halbes Jahr nach der Hochzeit plötzlich in Las Vegas vor Yves’ Haustür stand und ihn erst mit der Nachricht schockte, das sie seine Stiefschwester sei und ihn in demselben Atemzug mit der Bitte überrumpelte, vorerst bei ihm einziehen zu dürfen. Es verstand sich von selbst, das Yves dieser Bitte nachgab und mittlerweile spricht man nicht einmal mehr von einem vorerst. Zwischen ihnen entwickelte sich daraufhin sehr schnell eine innige Freundschaft. Camille brachte wieder Schwung in Yves’ Leben und sie wurde zu etwas, das ihm wichtiger war, als sein eigenes Leben. Camille hat es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht, Yves so glücklich wie möglich zu machen. Ihr neustes Ziel ist es, ihn mit einer Frau zu verkuppeln. Bisher erfolglos.

Des Weiteren könnte man an dieser Stelle noch Camilles Mutter, also Yves’ Stiefmutter erwähnen. Allerdings hat er zu dieser keinerlei Kontakt – er hat sie noch nie getroffen und noch nicht einmal mit ihr geredet. Das höchste aller Gefühle war es, als Camille ihm ein Bild von ihr gezeigt hat. Das Ganze hat nichts mit einer Abneigung gegenüber Camilles Mutter zu tun, sondern mit der Tatsache, dass damit eine Kontaktaufnahme mit seinem Vater verbunden wäre. Und dieser geht Yves aus dem Weg, beziehungsweise er wartet darauf, das Robert Leyton den ersten Schritt macht und ihn anruft.


» Charakter
But I can’t do this all on my own
I’m no superman


Yves ist kein Held, den man aus Filmen kennt und der sich wagemutig vor den Zug schmeißt, um so seine große Liebe zu retten. Er hat nichts mit den seltsamen Freaks zu tun, die man in jedem Teenagerfilm sieht und die sich am Ende als doch nicht so uncool herausstellen. Und erst recht nicht hat er etwas mit den grausamen Bösewichten gemeinsam, die erst Chaos und Schrecken mit sich bringen und meistens über den Film hinaus nicht überleben. Yves übernimmt den Part des anfangs so unscheinbaren Charakters, der im Laufe des Films nur selten auftritt, sich am Ende aber als eine wichtige Schlüsselfigur entpuppt.
Leider ist das Leben kein Film, bei dem man bequem auf Pause drücken kann, wenn man mehr Zeit braucht. Man kann nicht zurückspulen, um Geschehenes ungeschehen zu machen. Man kann nicht eine ganze Szene überspringen und man kann vorher auch kein Drehbuch schreiben, das den Verlauf festlegt. Alles hängt von Zufällen, Entscheidungen und Schicksal ab. Egal, wie klein einem eine Entscheidung anfangs auch erscheint, am Ende könnte sie ein Leben grundlegend verändern. Yves ist Jemand, der sich gerne Überlegungszeit für Entscheidungen nimmt. In seinem Leben hat er bewiesen, das er auch spontan sein kann, aber größtenteils überwiegt seine vorsichtige Seite.
Er hat kein Problem damit, beim Kochen neue Dinge auszuprobieren und spontan ein neues Gewürz hinzuzufügen, jedoch ist er nicht so experimentierfreudig, wenn es um sein eigenes Leben geht. Andere Menschen hätten sich verändert, nach allem, was in Yves Leben passiert war. Der Tod seiner Mutter hatte ihm vor Augen geführt, wie schnell das Leben vorbei sein konnte und manche Leute hätten nach diesem Erlebnis jeden Tag ausgekostet und neue Sachen probiert. Auch Yves kostet die Tage einzeln aus, aber eben auf seine Weise.
Yves ist ein verantwortungsbewusster, loyaler und freundlicher Mensch, der eine Menge positive Eigenschaften vertritt, die man sich zum Beispiel von einem guten Freund wünschen würde. Er kann gut zuhören, stellt seine eigenen Bedürfnisse gerne einmal in den Hintergrund und Geheimnisse sind bei ihm absolut sicher. Yves hat einen ausgeprägten Humor, er kann über viele Dinge lachen und ist für beinah jeden Spaß zu haben – aber auch nur beinah. Schon als Kind hielt er sich lieber im Hintergrund, wenn es darum ging, komplett neue Sachen zu probieren. Er guckt gerne erst immer einmal zu und ob er es dann nachmacht oder nicht, hängt davon ab, wie angetan er davon ist. Yves lässt sich sehr schnell von etwas begeistern und wenn er erst einmal einen Narren daran gefressen hat, dann ist es schwierig, ihn davon wieder loszukriegen. Zu seinem sechsten Geburtstag bekam er sein erstes Fahrrad geschenkt und in den darauf folgenden Tagen tat er nichts anders, als Chatham auf eben diesem unsicher zu machen. Erst in seiner Jugend verlor sich diese Vorliebe so langsam und andere Dinge wurden interessanter. Ebenso schnell, wie er sich für Dinge begeistern lässt, lässt er sich auch in Hektik versetzen. Mit den Jahren hat er gelernt, diese Eigenschaft etwas zu schwächen und er ist seit seiner Zeit in Las Vegas viel ruhiger und ausgeglichener geworden, aber auch jetzt kommt es manchmal noch vor, das ein paar kurze Worte reichen, um in ihm Hektik und Stress auszulösen. Nur ungern lässt er das natürlich an seinen Angestellten im River Café aus und wenn es doch einmal vorkommt, tut es ihm meist kurze Zeit später schon wieder Leid und er entschuldigt sich überschwänglich. Als Kind hat Yves sich irgendwann einmal angewohnt, zur Beruhigung Telefonbücher zu lesen. Dies mag zwar etwas eigenartig erscheinen, aber eine Reihe von Namen und Nummern haben seltsamerweise eine wirklich beruhigende Wirkung auf ihn. Telefonbücher sind aber nicht das Einzige, was der junge Leyton sich zu Gemüte zieht. Auch wenn ihm tagsüber nur wenig Zeit dafür bleibt, zieht er sich gerne mal mit einem Buch zurück und verbringt seine Zeit damit, in diesem zu schmökern. In diesen Phasen sollte man ihn besser nur dann stören, wenn es auch wirklich wichtig ist. Yves ist ein sehr organisierter Mensch, der am liebsten alles aufhebt und sich nur schwer von Erinnerungen trennen kann. Im Keller des Hauses, in dem er sich ein Appartement gekauft hat, stapeln sich Kisten mit Dingen, die er eigentlich schon längst nicht mehr braucht. Umso schwerer fiel es ihm auch damals, nach dem Streit mit seinem Vater aus Chatham zu verschwinden und auch wirklich nur das Nötigste mit sich zu nehmen.
Diese eben erwähnten Tage, die er am liebsten alleine oder nur in Gesellschaft eines guten Buches verbringt, bilden Ausnahmen. An allen übrigen Tagen zieht er Gesellschaft vor – egal wo. Sein Beruf bietet ihm die Möglichkeit, die ganze Zeit von Menschen umgeben zu sein. Er muss nicht alleine in einem Büro sitzen und Gespräche mit seinem Computer führen, sondern arbeitet zusammen mit einem Team aus Menschen, die alle spezialisiert für einen bestimmten Bereich sind. Nicht nur beim Job zieht er Gesellschaft vor, sondern auch in seinem restlichen Leben. Von daher zögerte er auch nicht sehr lange, als vor anderthalb Jahren eine fremde Frau, die sich als seine Stiefschwester entpuppte, vor seiner Tür stand und ihn bat, bei ihm wohnen zu können. Freunde und Familie sind für Yves das Wichtigste im Leben und da seine Familie – oder zumindest die Teile der Familie, zu denen er noch Kontakt hat – von Jahr zu Jahr verschwindend kleiner wird, dominiert eben die Freundschaft. Oder die Beziehung zu seiner Stiefschwester. Nicht jeder Mensch hätte seine bis dato unbekannte Stiefschwester einfach bei sich aufgenommen und so schnell ein positives Verhältnis zu ihr aufgebaut. Yves verlässt sich gerne auf andere Menschen, nur selten macht er etwas völlig für sich alleine. Er vertritt die Meinung, dass vier Augen mehr sehen als Zwei und dass Zusammenarbeit einem Menschen noch nie geschadet hat.

That something is what I define as love.
It is the one thing that can stop a man from falling, the one thing powerful enough to negate the laws of gravity.


Obwohl Yves von ihr enttäuscht wurde, hat er den Glauben an Liebe nicht verloren. Ebenso wie Familie und Freunde in seinem Leben eine große Rolle spielen, so tut dies auch die Liebe. Auch wenn er derzeit niemanden vorweisen kann, den er von Herzen liebt und der für ihn das Selbe empfindet. In dieser Hinsicht vertritt Yves eher altmodische Ansichten – zwar kam es auch in seinem Leben schon einmal zu einem belanglosen One Night Stand, aber bevorzugen tut er eindeutig feste Beziehungen, in denen einem etwas an dem jeweils anderen liegt. Vertrauen, Treue und Offenheit werden bei ihm ganz groß geschrieben und keine dieser Sachen würde Yves je brechen. Ist er verliebt und in einer Beziehung zu diesem Mädchen, so würde er nie untreu werden, sie nie anlügen, ihr Vertrauen missbrauchen und nach Möglichkeit auch nichts vor ihr geheim halten. Manche Leute mögen diese Vorstellungen vielleicht für die heutige Zeit als überholt bezeichnen, aber was spricht dagegen, wenn man von einer großen Liebe braucht und nicht von irgendwelchen unbedeutenden Nächten? Yves träumt von einer Frau, von Kindern und einem Haus in einer kleineren Stadt als Las Vegas. Es ist dieses typische Klischeeleben, das er sich wünscht – am besten natürlich noch mit einem Hund. Bis jetzt hat er seine große Liebe noch nicht kennen gelernt, aber mit sechsundzwanzig hat man ja noch einige Zeit dafür.


» Vorlieben
Kochen
Mit dieser Vorliebe hätte jetzt wahrscheinlich niemand gerechnet. Diese Vorliebe zeigte sich bereits in seiner Kindheit sehr deutlich und bis zum heutigen Tat hat sie in keiner Weise Punkte einbüßen müssen. Wenn man mit etwas aufwächst, wird es zu einer Gewohnheit in seinem Leben und nur selten kann man sich damit nicht anfreunden. Essen ist eine Lebensnotwendigkeit. Kochen für Yves ebenso. Ohne diese Beschäftigung könnte er sich sein Leben mittlerweile gar nicht mehr vorstellen. Am liebsten versucht er sich an älteren Rezepten, die mit etwas Neuem wieder aufgepeppt werden können. Auch wenn er nicht zu den experimentierfreudigsten Menschen dieses Jahrzehnts gehört, schafft er es immer wieder durch Kleinigkeiten, dem Ganzen eine besondere Note zu verpassen, beinah schon eine eigene Unterschrift.

Das Ticken einer Uhr
Während das Ticken einer Uhr andere Menschen eher in den Wahnsinn treibt, hat Yves Gefallen daran gefunden. Und das aus gutem Grund – das Ticken einer Uhr ist gleichmäßig, es ist eine unaufhörliche Monotonie, kaum aufhaltbar. Sie tickt immer weiter, egal was passiert. Einmal abgesehen davon, das die Batterien leer gehen könnten. Yves ist Jemand, der sich eine Alltäglichkeit in seinem Leben wünscht. Keine Langeweile, aber ein gewisses Muster oder ein Schema, nach dem er leben kann. Er braucht nicht jeden Tag irgendwelche Überraschungen und Entscheidungen, obwohl ein paar seinem Leben in den vergangenen Jahren nicht geschadet haben. Und doch bevorzugt er eine gewisse Eintönigkeit, die andere Menschen vermutlich für vollkommen langweilig halten. Yves nicht. Nach genug Action in seinem Leben genießt er die Ruhe. Und was drückt so eine Alltäglichkeit besser aus, als das Ticken einer Uhr?

Frischgepresster Orangensaft
Allerdings dürfte es schwierig zu sein, diese Vorliebe mit mehr als drei Sätzen zu erläutern. Yves mochte dieses Getränk schon immer, besonders gerne kombiniert mit einem Frühstück am Bett an einem langen Sonntagmorgen. Gleichzeitig lässt sich dazu sagen, das er nur sehr wenig von künstlich hergestellten Getränken hält, wie zum Beispiel Coca Cola oder all die anderen Muntermacher, die es heutzutage auf dem Markt zu kaufen gibt. Yves kann Pepsi nicht von Cola und Cola nicht von Cola Light unterscheiden. All die anderen Geschmacksrichtungen, die es neuerdings gibt, hat er noch nie probiert. Das braucht er auch nicht, nur um festzustellen, dass er es wirklich nicht mag.

Gemütliche Abende unter Freunden
Und sei es nur ein gemeinsames Abendessen mit seiner Stiefschwester. Dank seines Jobs sitzen Camille und Yves abends nur sehr selten gemeinsam am Abendbrottisch. Viel zu selten, so denkt zumindest Yves. Diese Vorliebe lässt sich eigentlich noch weiter ausweiten, als nur auf die Abende. Er liebt alle Treffen mit Freunden oder der Familie, von der ihm leider nur noch Camille geblieben ist, bei der man zusammen sitzt, plaudert und Spaß hat. Es muss nichts großartiges unternommen werden, eher im Gegenteil. Yves zieht bei so etwas ein Treffen in einem gemütlichen Café, einer Bar oder einer Wohnung vor. Mit Diskogängen konnte er noch nie viel anfangen, da man da doch nichts anderes macht, als rhythmisch mit dem Kopf zur Musik zu wackeln – und unterhalten kann man sich bei der Lautstärke auch nicht. Yves legt generell sehr viel Wert auf das Miteinander, das offen zu einander sprechen und eben so traditionelle Dinge wie Freundschaft und Familie.

Las Vegas
Zumindest diese Vorliebe dürfte überraschend kommen. Schließlich ist Yves Leyton doch im Allgemeinen ein ruhiger Mensch, dem man ein fabulöses Leben inmitten der glanzvollen Stadt, in der Glück und Unglück Tür an Tür wohnen, gar nicht zutraut. Ein Mann, der aus einer Kleinstadt kommt und das Leben in einer Großstadt nicht gewohnt ist. Von dem man nicht erwartet, das er den Lärm mag oder den Rummel um Glücksspiele, spektakuläre Shows und so weiter nachvollziehen kann. Und natürlich, es gibt Einschränkungen. Für Glücksspiele zum Beispiel ist er viel zu zurückhaltend, viel zu vorsichtig. Aber dennoch entwickelte er in den Jahren, die er jetzt in Las Vegas lebt, eine Vorliebe für die Stadt. Sie bietet einem so unglaublich viele Möglichkeiten und nirgendwo anders ist es wohl so einfach, ein neues Leben zu starten. Las Vegas hält immer eine kleine Überraschung für einen bereit und einem ist immer eine Hintertür offen gelassen, falls man sich einmal in seinem eigenen Leben erdrückt fühlt oder man sich nach etwas Neuem sehnt.


» Abneigungen
Elektronik
Tatsache ist, dass Yves mit neumodischen Geräten einfach nicht umgehen kann. Für eine Sms, die nicht mehr als fünfzig Zeichen enthält, brauch er bereits fünf Minuten und zum Tippen braucht er beide Hände. Ähnlich ist es bei einem Computer. Zwar hat er einen zu Hause, da er ursprünglich geplant hat, diesen als Planer für das Restaurant zu verwenden. Sein Beruf ist einer der wenigen in der heutigen Zeit, in der ein Computer nicht von Nöten ist und dementsprechend wenig kann er damit umgehen. Die Idee mit dem Computer war auch relativ schnell wieder verworfen und heute schreibt er alle Veranstaltungen in einen ganz normalen Kalender. Selbiges passiert mit seinen Rezepten, die man ja eigentlich wunderbar in einer Datei auf dem Computer sammeln könnte. Yves hat einen großen, schwarzen Ordner, der von ihm seit Jahren mit handgeschriebenen Rezepten gefüllt wird. Des Weiteren kann Yves die Elektronikgeräte nicht leiden, weil sie seiner Meinung nach die Kommunikation, bei der man sich gegenüber steht, beeinträchtigt. Jugendliche kommunizieren heute größtenteils nur noch über Sms oder irgendwelche Messanger am Computer, so dass das Miteinander verloren geht. Er bevorzugt Treffen mit Freunden und wenn man vorher etwas abzusprechen hat, so kann man doch schließlich auch das Telefon verwenden. Der Computer steht immer noch in Yves’ Wohnzimmer, wird aber meistens nur von seiner Stiefschwester verwendet, von ihm selber vielleicht einmal im Jahr und dann auch nur, wenn er eine Information im Internet nachschlagen will, die er auf die Schnelle in einem Buch nicht finden kann.

Lauter, plötzlicher Krach || Silvesterknaller
Auch diese Abneigung ist weder überraschend, noch schwer nachzuvollziehen. Seine Mutter fand schließlich in den Ton, nachdem vor ihren Augen ein Silvesterknaller explodierte und der schock sie lange genug lähmte, um sie umzubringen. Auch wenn dieses Erlebnis fast dreizehn Jahre her ist, geht Yves jeder Silvesterfeier aus dem Weg und traut sich an diesem Abend in kein Auto, egal wie viel Sicherheit man ihm verspricht. Silvesterknaller oder anderer lautet Krach, der plötzlich auftaucht, schaffen es auch heute noch, seinen Herzschlag für Sekunden aussetzen zu lassen. Er hat Angst vor ihnen und verbunden mit einer grausamen Erinnerung wird daraus eine Abneigung, die auch in den nächsten zwanzig Jahren noch halten wird.

Frösche
Sie sind klein. Sie sind grün. Sie sind runzlig. Sie machen unheimlich viel Krach. Sie nerven. Und sie bekommen am Ende der Geschichte die Prinzessin. Genug Gründe, um die quakenden, kleinen Amphibien nicht zu mögen. Außerdem sollte die Prinzessin Yves zustehen. Hinzu kommt diese kurze Begegnung mit Fröschen, als Yves ungefähr sieben Jahre alt war und die er heute zu verdrängen versucht, da sie nicht unbedingt zu seinen Gunsten verlief. Erinnert wird er an diesen Vorteil wirklich nicht gerne und er erzählt nur in den seltensten Fällen von ihm, auch wenn er nicht besonders großartig war.

Stress, Unruhe oder andere Unbequemlichkeiten in der Küche
Die Küche ist für Yves so etwas wie ein heiliger Ort. Von daher haben irgendwelche Störungen dort nichts zu suchen. Auch wenn der junge Mann kein Problem damit hat, unter Zeitdruck zu arbeiten – etwas, was bei seinem Beruf häufiger vorkommen kann – hat er es lieber, wenn er sich ausreichend Zeit lassen und sich um jede Sache persönlich kümmern kann. Außer ihm sind in der Küche des River Café noch ein paar Angestellte, die alle aufgefordert sind, auf seine Worte zu hören. Und mittlerweile sind sie ein so gut eingespieltes Team, das es nur noch selten zu Stress oder so ähnlich geht. Aber man kann sich gut vorstellen, wie es früher einmal war, als man sich noch fremd war – oder auch damals, unter der Leitung seines Vaters, bei dem immer alles besonders schnell hatte gehen müssen und der nicht viel Rücksicht auf seine Angestellten genommen hatte. Ein scharfer Ton war dort eine Alltäglichkeit gewesen und während Yves Ausbildung im Momo hatten zwei Menschen gekündigt, weil sie mit der Art zu arbeiten von Robert Leyton nicht klar gekommen waren. Unter der Leitung von Yves läuft es komplett anders ab. Noch kam von keinem Kellner oder Koch im River Café eine Beschwerde über ihn, auch wenn er an einigen Tagen etwas hektisch und unfreundlich werden kann, wenn etwas nicht funktioniert oder die Zeit ihm einfach zu schnell davon läuft. Das tut ihm allerdings meistens direkt danach wieder Leid und die harmonische Zusammenarbeit ist schnell wieder hergestellt.

Spinat
Von wegen, diese Abneigung findet man nur bei Kindern. Bei den meisten Kindern ist es so, dass sie im Laufe der Jahre doch irgendwann noch anfangen, das grüne Gemüse zu mögen. Bei Yves war es nicht so. Einem Koch traut man nicht wirklich eine Abneigung gegen ein so häufig verwendetes Lebensmittel zu – aber Yves entscheidet sich ja nicht nur in dieser Sache von anderen Menschen. Sogar wenn er für andere kocht, verwendet er nur sehr ungern Spinat. Es liegt einmal daran, dass es ihm selber einfach nicht schmeckt und zweitens gefallen ihm Gerichte mit Spinat im Allgemeinen nicht. Woran genau das liegt, kann er einem selber nicht genau sagen. Fest steht nur, das man im Café River nur selten Spinat auf der Menükarte findet.


» Lebenslauf
Vergangene Nacht kam es zu einem tragischen Unfall in der Stadt Chatham, Kanada. Ein Kleinwagen kam kurz nach Mitternacht von der Straße ab und krachte mit der Fahrerseite einen Baum. Die junge Fahrerin wurde durch einen vor dem Auto explodierenden Silvesterknaller erschreckt und riss das Lenkrad herum. Nach Zusammenstoß mit dem Baum drehte und überschlug sich das Auto und blieb schließlich auf dem Dach liegen. Während junge Frau sofort tot war, überlebte ihr Sohn auf der Rückbank wie durch ein Wunder, ohne eine einzige Verletzung.


Alles, was vor diesem Tag im Leben des Yves Leyton geschah, ist irrelevant. Kein Augenblick prägte den weiteren Verlauf seines Lebens mehr, als dieser Abend. Somit ist es eigentlich unnötig, zu erwähnen, dass die Stadt Chatham auch gleichzeitig sein Geburtsort war. Oder das seine Mutter Amelié Leyton hieß und vor dem Unfall in dem Restaurant ihres Mannes, Robert Leyton, arbeitete. Ebenso unwichtig ist es wohl, das Yves auf den Namen Yves Jeremiah Leyton getauft wurde und seine Mutter nur allzu gerne Gebrauch von dem zweiten Vornamen machte, wenn sie sich morgens mit einer Tasse heißem Kakao und einem Croissant in das Zimmer ihres Sohnes schlich, ihn zärtlich mit einem Kuss auf die Wange weckte und anschließend in sein Bett krabbelte, um zu Kuscheln und zu Reden. Yves war dieses morgendliche Ritual immer unheimlich wichtig, da er in diesen Momenten seiner Mutter alles anvertrauen konnte. All die Probleme und Fragen, die ihm auf der Seele lagen, wurde er los und alle Sorgen wurden von ihr mit einem Lächeln beseitigt. Selbst als Yves immer älter wurde, die Tradition von ihnen beibehalten und er war enttäuscht, wenn sie manchmal morgens nicht genug Zeit hatte, um sich ihm ausgiebig zu widmen. Doch mittlerweile sind die Zeiten vorbei. Nie wieder wird seine Mutter morgens zu ihm ins Bett krabbeln. Somit ist auch das in seinem Leben völlig unwichtig geworden.
Ebenso trivial ist es wohl, das Yves eine ausgesprochen schöne Kindheit hatte. Wenn auch sein Vater ein sehr beschäftigter Mann gab, überschütteten seine Eltern Yves täglich mit Liebe und da er ein Einzelkind ist, bekam er die komplette Aufmerksamkeit von ihnen zugeteilt. Er hatte Freunde, mit denen er die Nachtmittage draußen an der frischen Luft verbrachte, er war ein guter Schüler und er war die Sorte Sohn, auf die Eltern stolz waren. Selten machte er Ärger, er war ein Vorzeigejunge in der Nachbarschaft und von allen wurde er verwöhnt. Es genügte ein kurzer Besuch bei den Nachbarn und diese deckten ihn für die nächsten Wochen mit Süßigkeiten und aufmunternden Worten ein. Kaum ein paar schwarze Tage lassen sich bis zum 1. Januar 1994 in Yves’ Leben verzeichnen. Vermutlich klingt das gerade alles sehr nach einer Erzählung, die man eher einem Kinderbuch zumutet, als einem wirklichen Leben. Doch es gibt einige Menschen, die diese vorhergegangenen Worte bestätigen würden – inklusive Yves. Doch das perfekte Bilderbuchleben änderte sich eines Abends schlagartig. Daher ist es auch hier unnötig, genauer darauf einzugehen. Vielleicht könnte man aber erwähnen, dass Yves bereits in seiner Kindheit mit Herdplatten und Kochtöpfen konfrontiert wurde. Die Wochenenden verbrachte er oft im Restaurant seines Vaters, wo er ihm in der Küche über die Schulter schaute oder im Nebenzimmer mit seinen Kuscheltieren spielte. Je älter Yves wurde, desto mehr brachte sein Vater ihm bei, desto mehr half er auch in der Küche aus. Mit zwölf übernahm er manchmal komplett die Zubereitung einer kleinen Vorspeise und wurde von den Gästen dafür hoch gelobt. Nie wurde bezweifelte, das auch ihm das Talent und die Leidenschaft zum Kochen durchs Blut floss. Während andere Jungen in seinem Alter einem die Ergebnisse der vergangenen Spiele in der Lacrosse Liga aufzählen konnten, konnte Yves einem alle Gewürze, ihre Herkunft und ihren gewohnten Gebrauch nennen. Nach Beginn der Vorstufe begann Yves sich für andere Dinge zu interessieren, als seine Klassenkammeraden. Er verbrachte gerne Zeit zu Hause in der heimischen Küche und übte sich an neuen Rezepten – und das seit er lesen konnte. Anfangs hatte er vielleicht nur seiner Mutter geholfen, auch wenn diese eher selten die für das Essen zuständig war. Von daher ist es wohl nicht sehr verwunderlich, das Yves heute ein gefragter Koch in einem eher kleinen Café ist. Aber auch die Tatsache, dass er als Kind lieber richtige Kuchen anstelle von Sandkuchen gebacken hat, erscheint einem unglaublich nebensächlich, wenn man sich die Nacht zum Jahre 1994 genauer anguckt.

Die gröbsten Informationen entnimmt man allen Zeitungsartikeln, die damals in den städtischen Zeitungen erschienen sind. Viel mehr erfährt man von Yves auch nicht. Er behält seine Erinnerungen und seine Gefühle diesbezüglich für sich und nur engsten Freunden vertraut er sich an. Alle anderen Menschen müssen sich mit den Informationen zufrieden geben, die man jederzeit in der Zeitung nachlesen kann. Es war ungefähr zwanzig Minuten nach Mitternacht, als Yves und seine Mutter auf dem Weg nach Hause waren. Sie hatten Silvester gemeinsam im Restaurant Momo gefeiert und eigentlich war es geplant, das Amelié Leyton lediglich ihren dreizehnjährigen Sohn nach Hause brachte und anschließend wieder zu ihrem Ehemann zurückkehrte. Doch so weit kam es nie. Unbekannte warfen genau in dem Augenblick, als die Leytons vorbei fuhren, einen Silvesterknaller auf die Straße, der direkt vor ihnen in die Luft gingen. Für einen kurzen Moment lang lähmte der Schock Yves’ Mutter und sie riss das Lenkrad scharf nach rechts. Als sie sich wieder gefangen hatte, war es bereits zu spät. Das Auto fuhr mit 1oo kmH gegen einen Baum, drehte und überschlug sich. Seine Mutter war sofort tot, noch bevor die Polizei den Unfallort erreichte. Yves überlebte mit nichts weiter als einer kleinen Schramme am rechten Unterarm. Als die Polizei eintraf, fand man ihn am Arm seiner Mutter rütteln, um diese aufzuwecken, da sie bestimmt nur schliefe. Auch wenn sein Verstand ihm sagte, dass seine Mutter tot war, wollte sein Herz es nicht akzeptieren.

Die darauf folgenden Jahre waren schwer. Für wen wären sie das nicht? Alle Menschen geraten auf ihrem Lebensweg ins Stolpern, wenn sie einen Menschen verlieren, den sie liebten. Und erst Recht Menschen in Yves Alter können anfangs nicht alles verstehen. Yves gab Gott die Schuld und noch vielen anderen Dingen. Wenn es Gott gab, warum hatte er an diesem Tag nicht auf sie aufgepasst? Wenn die Welt gerecht war, warum hatte man ihn seine Mutter genommen? Wenn alles im Leben einen Sinn hatte, warum verstand er ihn nicht? Warum sah er darin keinen Sinn? Es dauerte einige Zeit, bis Yves sich wieder fing. Seine Noten in der Schule hatten sich kaum verändert, was sich aber verändert hatte, war sein Charakter. Er verlor den Glauben an viele Dinge.
Das Leben alleine mit seinem Vater war ungewohnt. Es war, als würden sie einander vollkommen neu kennen lernen, als würden sie einem Fremden gegenüber stehen. Dabei war es der Mensch, den man seit dreizehn Jahren kannte. Wie sollte das Zusammenleben gut gehen, wenn man sich so fremd war? Irgendwie meisterten Robert und Yves die folgenden Jahre. Niemand hatte gesagt, dass es einfach werden würde. Aber auch niemand hatte gesagt, dass es so schwer sein würde. Die Jahre schienen nur langsam vorbei zu gehen, alles was Yves früher einmal Freude bereitet hatte, war jetzt pure Qual. Beinah alles in seiner Heimat schien ihn schmerzhaft an seine Mutter zu erinnern. Dennoch kam es den beiden verbliebenen Leytons nie in den Sinn, die Kleinstadt in Kanada zu verlassen. Schließlich spielte sich ihr restliches Leben weiterhin hier ab, auch wenn ihnen das Leben auf einmal ungewöhnlich leer schien. Robert Leyton war immer noch Besitzer eines Gutlaufenden Restaurants, um das er sich kümmern wollte und Yves wollte nicht noch mehr geliebte Dinge verlieren und erst recht nicht seine Heimat. Oder seine Freunde, von denen er sich in dem ersten Jahr vollkommen abschottete. Yves wurde zu einem Einzelgänger, wo er auch war, was er auch tat, er tat es alleine. Körperkontakt war in diesen Wochen unvorstellbar für ihn und sei es nur das das gut gemeinte Hand auf die Schulter legen von Menschen, die ihr Mitleid aussprechen wollten. Für Außenstehende verlief sein Leben weiter, wie das Leben eines jeden Jungen in seinem Alter. Er versuchte, seinen Blick auf etwas anderes zu fokussieren, als die Vergangenheit und das, was geschehen war. Er brauchte etwas Neues im Leben, das ihm wieder Mut gab. Und auch wenn er dieses gewünschte Etwas nie fand, waren es kleine Faktoren, die ihn zum durchhalten brachten. Yves schloss die Highschool fünf Jahre später ab, entdeckte neue Interessen und blieb seinen alten weiterhin treu. Er entwickelte sich, wie jeder andere auch. Beinah fühlte sich sein Leben wieder an wie ein Leben. Und irgendwann war auch die klaffende Lücke zwischen ihm und seinem Vater geschlossen. Spätestens, als er mit neunzehn eine Ausbildung in dem Restaurant seines Vaters begann und nicht auf das College ging, obwohl das mit seinen Noten durchaus möglich gewesen wäre. Kochen war nun mal seine Leidenschaft. Nie hatte er vorgehabt, etwas anderes in seinem Leben zu tun. Und doch verlief nicht alles so, wie es geplant war. Yves hatte seinen Vater als Familienmitglied akzeptiert, wenn Robert Leyton Entscheidungen traf, folgte Yves diesen. Aber ihn auch noch als Chef zu haben, der ihm in seinem Job Vorschriften machte, damit kam er nicht klar. Immer häufiger kam es zu Streitereien und Provozieren des jeweils anderen. Aber immer rissen sie sich wieder zusammen, versöhnten sich und lebten in Frieden weiter, bis es zum nächsten Streit kam. Dennoch spielte Yves nie mit dem Gedanken, sich einen anderen Ausbildungsplatz zu suchen. Sein restliches Leben verlief weiterhin relativ still. Die große Trauer nach dem Tod seiner Mutter hatte er überwunden und in den letzten Jahren hatte er begonnen, wieder Freude an Sachen zu haben. An seinem Leben ...

Und dann kam der Tag, an dem Yves sich wünschte, er sei damals bei dem Unfall auch ums Leben gekommen. Es gibt Tage, an denen wirklich alles schief geht. Egal was man tut und egal, wie oft es zuvor schon funktioniert hat, es misslingt. Ob man mit dem falschen Fuß aufgestanden ist oder Gott einfach nur Lust hat, einen ein bisschen zu ärgern und zu quälen, ist ungewiss. Und es gibt natürlich noch eine den Aberglauben. Yves war nie ein Anhänger dessen. Er hatte kein Problem damit, unter Leitern hindurch zu gehen und schwarze Katzen erschreckten ihn nicht. Bis zu einem bestimmten Tag. Es war Freitag, der Dreizehnte. Manche Menschen hätten alleine aus dem Grund vorsichtig gehandelt, anders aber Yves. Es war nur ein Datum – was sollte schon großartig passieren? Was unterschied diesen Tag von den restlichen dreihundertvierundsechzig im Jahr? Für Yves war es ein Tag wie jeder andere auch. Selbst als er im Badezimmer während des Zähneputzens stolperte, den Wäscheständer mit sich riss und dieser den Spiegel zerschlug. Scherben bringen Glück, so sagt man doch. Zerbrochene Spiegel allerdings nicht. Dennoch – Yves hielt es für einen seltsamen Zufall, das dies ausgerechnet an einem Freitag den Dreizehnten passiert und selbst als er sich beim Scherbenaufsammeln gewaltig in den Finger schnitt, machte er sich keine weiteren Gedanken darüber. Erst im Nachhinein zweifelte er daran, ob nicht vielleicht doch alles einen Zusammenhang hatte. Fakt ist, dass das Unglück den gesamten restlichen Tag weiter durchzog und ihm keine fünf Minuten Ruhe gönnte. Zu allererst brannte bei seinem Toaster eine Sicherung raus und statt Toast kamen plötzlich Flammen aus eben diesem. Nicht weiter erwähnenswert, da die kleinen Flammen schnell gelöscht waren, auch ohne Hilfe der städtischen Feuerwehr. Als nächstes schloss Yves sich aus der Wohnung aus und musste eine Stunde nach dem Einkaufen vor der Tür warten, bis sein Vater von seiner ersten Schicht im Momo wieder kam. Doch all das trübte die Stimmung von Yves nicht, er war voller Vorfreude auf das bevorstehende Treffen mit seiner damaligen, festen Freundin. Dreizehn Monate waren er und Macy zu dem Augenblick zusammen gewesen und für ihn war es die erste große Liebe. Yves ist nicht abergläubisch, dafür aber romantisch. Und er war fest davon überzeugt, das Macy gleiches für ihn empfand. Bis diese, kaum hatte sie an der Tür geklingelt und er sie hinein gelassen, ihn ohne mit der Wimper zu zucken abservierte, mit der Begründung, das sie einen anderen kennen gelernt habe. Yves war am Boden zerstört. Und noch immer glaubte er nicht daran, dass es etwas mit dem Datum zu tun haben könnte.
Nieder geschlagen machte er sich am Abend auf den Weg ins Momo. Seine Motivation war im Keller und schlechter hätte er an dem Tag eigentlich gar nicht kochen können. Selbst der Artikel in der aktuellen Ausgabe, in der er gelobt und als größeres Talent als sein Vater gelobt wurde, konnte ihn nicht aufheitern. Seinen Vater ebenso wenig. Robert Leyton kam mit dem Gedanken nicht klar, das sein eigener Sohn, der nicht einmal die Ausbildung beendet hatte, besser als er war. Es entstand ein Streit. Und plötzlich ging es nicht mehr nur um das Kochen. Yves warf seinem Vater alles an den Kopf, was er sich in den letzten Jahren verkniffen hatte, sein Vater erwiderte es auf seine Weise und endete mit den Worten: Wärst du damals nicht gewesen, würde deine Mutter noch leben. Denn schließlich war es Yves gewesen, der darauf bestanden hatte, nicht bis zum Ende der Silvesterparty zu bleiben, sondern von seiner Mom früher nach Hause gebracht zu werden. Dieser Satz war für einige Zeit das Letzte, was Robert und Yves Leyton voneinander hörten. Denn direkt danach nahm Yves sich die Kochmütze vom Kopf, schmiss sie zu Boden und verschwand ohne ein weiteres Wort. Manche glaubten vielleicht, dass dieser Streit vorüber gehen würde. Dass Yves sich wieder abregen und zu Hause auf seinen Vater warten würde. Aber das tat er nicht. Er packte seine Sachen und verschwand. Der Abschiedsbrief bestand aus dreizehn Worten. Und indem Augenblick, als Yves seinen Namen unter die restlichen zwölf Worte setzte, begann er sich über die ganzen Zufälle Gedanken zu machen. Freitag der Dreizehnte, Spiegelscherben, Unglück. Bestand ein Zusammenhang? Und von dem Moment an änderte sich seine Einstellung gegenüber Aberglaube. Eine Stunde später saß Yves in einem leeren Bus, der ihn zum Flughafen bringen sollte. Und während er darin saß und Muster auf die beschlagenen Scheiben malte, überkam ihn der bereits erwähnte Todeswunsch.

Wie Yves letztendlich auf Las Vegas kam, ist bis heute nicht geklärt. Vielleicht, weil diese Stadt nicht umsonst Stadt des Glücks genannt. Und Glück war etwas, nachdem Yves sich zu dem Zeitpunkt sehnte. Und da stand er also. Mitten in dem Getümmel des riesigen Flughafens in Las Vegas. In der rechten Hand eine schwarze Tasche, auf dem Rücken einen Rucksack und in der linken Hand einen Reiseführer. Robert und Yves Leyton hatten en Jahr zuvor geplant, eine Reise in die Millionenstadt zu unternehmen, aus der letztendlich nichts geworden war. Doch dank dieser Planung war Yves wenigsten etwas darauf vorbereitet, was ihn hier erwarten würde. Dennoch gab er ein Bild der völligen Hilflosigkeit ab, als er den Flughafen verließ und sich auf den Straßen der Stadt wieder fand, die niemals schlief. Wohin sollte er? Was sollte er hier? Fragen über Fragen, die in seinem Kopf herum geisterten. Im Grunde war Yves noch nie ein sehr spontaner Mensch gewesen, umso überforderter war er mit der damaligen Situation. Das erste Mal in seinem Leben war er völlig alleine und auf sich alleine gestellt. Die ersten Nächte kam er in einem billigen Hotel unter, nichts im Vergleich zu dem Caesars direkt nebenan. Durch eine Barbekanntschaft wurde Yves nach nur drei Tagen Aufenthalt auf das River Café aufmerksam, das zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem neuen Auszubildenden war, da der alte aus gesundheitlichen Gründen außer Gefecht gesetzt war. Yves bewarb sich und bekam die Stelle – das gab ihm einen kleinen Lichtblick und gleichzeitig wurde ihm bewusst, das er jetzt nicht mehr zurück konnte. In den ersten Tagen hatten ihn noch Zweifel geplagt, ob seine Entscheidung das richtige gewesen war, oder ob er nach Chatham zurückkehren und sich bei seinem Vater entschuldigen sollte. Da dieser aber seit Verschwinden seines Sohnes keine Anstalten gemacht hatte, Kontakt zu ihm aufzunehmen, entschied Yves sich irgendwann entgegen. Der Job im Café würde sein Leben in Las Vegas festigen. Und um dem Ganzen eine weitere Endgültigkeit zu verschaffen, suchte er sich ein Appartement. Er verfügte bereits über sein eigenes Geld, also stellte dieses kein großes Problem dar – auch wenn er damals im River Café wirklich noch kein Vermögen verdiente. Vier Wochen, nachdem er in Las Vegas angekommen war, verfügte Yves somit über einen Job und ein eigenes Appartement – und über ein Leben, das ihm langsam zu gefallen begann. Und so vergingen die Jahre ...

In Yves’ Leben verhielt sich alles relativ ruhig. Alle Aufregung und Trauer schien zu verblassen. Mehr und mehr gliederte er sich in seinem neuen zu Hause ein. Seine Ausbildung hatte er mit Bravour beendet und ihm wurde direkt darauf ein Job im River Café angeboten. Vom Stil her hatte dieses zwar ziemlich wenig mit dem Restaurant Momo zu tun, an der er gewohnt war, aber vielleicht war gerade das verantwortlich dafür, das Yves sich im River Café so wohl fühlte. Und auch, obwohl Las Vegas und Chatham kaum unterschiedlicher sein könnten, passte Yves sich recht schnell der neuen Umgebung an. Er fand Freunde, mit denen er in seiner Freizeit etwas unternahm – auch wenn dieses durch seinen Beruf recht eng gesteckt war. Dennoch kann man sagen, das sein Leben wieder eine Regelmäßigkeit, ein Alltäglichkeit. Die zuvor aufgekommenen Wogen waren wieder geglättet und Yves glaubte, dass diese Ruhe erst einmal durch nichts und niemanden wieder gestört werden konnte. Pustekuchen.
Die große Wende kam im Mai 2oo5. Der Tag begann wieder jeder andere auch. Es war ein Donnerstag und an Donnerstagen konnte er gewöhnlich länger schlafen, da seine Schicht im River Café erst später begann. An diesem Tag jedoch ließ man ihn trotzdem nicht ausschlafen. Pünktlich um viertel nach neun klingelte jemand an der Tür. Yves hatte die Nacht zuvor beinah komplett durch gearbeitet, um das Essen für eine Festgesellschaft vorzubereiten. Dementsprechend müde sah er auch aus, als er sich schließlich murrend aus dem Bett hievte und zur Tür ging, um demjenigen, der es gewagt hatte ihn zu wecken, einen Vortrag zu halten. Er hatte den Mund bereits geöffnet, eine Reihe weniger freundliche Worte lagen ihm auf der Zunge, als er inne hielt. Ihm gegenüber stand eine junge Frau, vielleicht etwas jünger als er selber und wahrlich nicht schlecht aussehend. Einen Moment lang starrte Yves sie wohl ziemlich perplex an, sich mit der Frage beschäftigend, was ihm denn diese Ehre verschaffte. Bevor er jedoch nachfragen konnte, übernahm die Frau das Sprechen. Ohne zwischendurch Luft zu holen, stellte sie sich als Camille vor und ließ ihm selben Satz, ganz nebenbei, einfließen, dass sie seine Stiefschwester sei. Noch ehe er diese Nachricht hatte verdauen können, überrumpelte sie ihn gleich weiter, mit der Bitte, bei ihm einziehen zu dürfen. Zu aller erst glaubte Yves an einen Streich. Oder die Frau habe sich an der Tür geirrt. Oder es war ein Traum. Alles war möglich, doch die Realität war es bestimmt nicht. Verübeln kann man ihm diese verquerten Gedanken wohl nicht, wenn man bedenkt, das er gerade mal fünf Stunden geschlafen hat und abrupt aus seinen süßen Träumen gerissen wurde. Als nächstes hatte die junge Frau, Camille, ihre Tasche in seinem Flur abgestellt und grinste ihn fröhlich an. Yves konnte nicht anders, als sie verdattert in die Küche zu bitten – und es wäre nicht verwunderlich gewesen, hätte Camille in diesem Moment die dumpfe Vermutung gepackt, bei dem Falschen gelandet zu sein. Immerhin hatte ihr Gegenüber immer noch nichts weiter getan, als sie stumm anzustarren und zwei Mal vielleicht zu nicken. Aber auch das darf man ihm doch bitte nicht verübeln. Es passiert nicht alle Tage, das man auf einmal erfährt, das der Vater anscheinend neu geheiratet hat, das man ab jetzt eine Stiefschwester hat und das diese auch gleichzeitig auch noch als Mitbewohnerin fungieren würde. In der Küche schließlich lichtete sich der Nebel etwas und in einem klärenden Gespräch nahm alles zusammenhängende Züge an. Das riesengroße Fragezeichen auf Yves’ Stirn verblasste allmählich. Sein Vater hatte also tatsächlich neu geheiratet und es nicht einmal für nötig gehalten, ihn darüber in Kenntnis zu setzen. Aber das hatte ja jetzt seine neu gewonnene Schwester übernommen, die sich als äußerst sympathisch heraus stellte. Sie erzählte ihm, das sie vierundzwanzig Jahre alt sei und neu in Las Vegas, daher auch auf der Suche nach einer Unterkunft. Und so kam es, dass das bisher freie Zimmer rechts von Yves’ eine Bewohnerin fand. Es war für Yves komplett neu, sich mit jemandem die Wohnung zu teilen, der in seinem Alter war und den er nicht einmal richtig kannte. Doch die Beiden fanden recht schnell Gemeinsamkeiten und auch wenn Yves es manchmal immer noch nicht recht fassen möchte, dass er eine Schwester hat, sieht er in ihr zumindest eine sehr gute Freundin. Diese Gefühl nahm mit der Zeit immer weiter zu und wie bereits erwähnt, ist Camille mittlerweile einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben und Yves ist beinah froh, wenigstens ein Familienmitglied zu haben, das mit ihm redet und mit dem er sich gut versteht. Doch selbst dieses Veränderung in seinem Leben brachte Yves nicht dazu, den Hörer des Telefons abzuheben und seinen Vater anzurufen.

Und wieder vergingen die Jahre, genau genommen sind seit dem Tag, an dem Camille bei ihm einzog, ziemlich genau siebzehn Monate vergangen. Camille suchte sich einen Job, um einen Teil der Miete bezahlen zu können – auch wenn Yves dieses anfangs ablehnte. Dennoch, auf Dauer hätte er das Leben für Zwei vermutlich alleine nicht finanzieren können. Aber selbst das hätte er für die Gesellschaft seiner Stiefschwester in den Kauf genommen. Camille brachte wieder Schwung in sein Leben, alles schien sich zu verändern, wie damals als er aus Chatham abgehauen war. Heute sagt Yves, dass es die beste Entscheidung war, die er je getroffen hat. Hätte er Chatham nicht verlassen, würde er noch heute im Momo arbeiten und für die nächsten vierzig Jahre vermutlich auch nichts anderes machen. Er würde wahrscheinlich für immer in der kleinen Stadt wohnen und nie den Rest der Welt kennen lernen. Las Vegas ist seine neue Heimat, hier spielt sich sein Leben ab. Ein Film, in dem er die Hauptrolle spielt ... ein Film, der im Moment nicht besser laufen könnte. Alles was fehlt, ist ein Happy End in der Liebe.


» Darsteller
Hugh Dancy
» Weitere Charaktere
Lauren Maloney
» Credits
Moon Palace geschrieben von Paul Auster
Superman von Lazlo Bane
Informationen über Las Vegas von wikipedia.de
Bilder von hughdancy.info


» Weitergabe des Charakters?
Nein
» Mit Steckbrief?
Nein
» Mit Set?
Nein

» Schreibprobe
Siehe Lauren Maloney


f e m a l e

noelle matthews
lauren maloney
virginia sparks
lina valentine

m a l e

nathanael black
yves leyton

o t h e r s

Pixie
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